Tag des Theaters an der Alice-Salomon-Schule

Beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Menschen spielten gemeinsam Theater

 

Am 05.11.19 führte die Alice-Salomon-Schule Linz/Neuwied unter der Leitung von Dr. Thomas Schweikert einen Tag des Theaters durch.

Zauberer

Ziel des Tages war zum einen, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen gemeinsam Theater spielen, zum anderen sollte aber auch die Bedeutung des Theaterspiels gerade für beeinträchtigte Menschen hervorgehoben werden. Hierfür konnte Dr. Thomas Schweikert den prominenten Autor, Regisseur und Schauspieler Dr. Peter Radtke, der selbst mit einer Beeinträchtigung lebt, für einen Vortrag gewinnen. In besonderer Weise sei an dieser Stelle auch der Christiane-Herzog-Schule Neuwied zu danken, die für diese einzigartige Veranstaltung der Alice-Salomon-Schule ihre barrierefreie Aula zur Verfügung stellte.

Am Vormittag wurde das gemeinsame Theaterspiel im Rahmen einer Improvisations-Theater-Show, die der Neuwieder Bildungsgang der Heilerziehungspflege organisierte und durchführte, probiert. Beeinträchtigte und nicht beeinträchtigte Menschen ganz unterschiedlichen Alters spielten gemeinsam Theater, in dem sie eine Reihe von theaterpädagogischen Improvisationsaufgaben auf der Bühne in gemischten Gruppen gemeinsam lösten. Dies stellte gerade bei Menschen, die sich nicht kennen, eine besondere Herausforderung dar. Von den Spielenden wurden keine Voraussetzungen erwartet, vielmehr ging es um das persönliche Erarbeiten und Erleben von Auftritten. So wurden etwa Fantasiegeschichten spontan vorgetragen oder kleinere Theaterstücke in kurzer Zeit inszeniert und dem Publikum der vollbesetzten Aula vorgespielt. Zwischen den einzelnen Improvisationsaufgaben bekamen beeinträchtigte und nicht beeinträchtige Künstler die Möglichkeit, auf der Bühne aufzutreten. Hier wurden Lieder gesungen und gespielt, Gedichte vorgetragen und sogar Zaubertricks vorgeführt. Die Improvisations-Theater-Show machte allen Beteiligten und Zuschauern große Freude und zeigt, welch schöpferische und verbindende Kraft Theater haben kann. In diesem Sinne überschreitet Theater Grenzen in und zwischen uns.

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Dr. Peter Radtke (2.v. li) und Cheforganisator Dr. Thomas Schweikert (2.v. re)

Ein Erfahrungsbericht von Slava Elyas und Estelle Bergen

Am 05.11.2019 durften wir - gemeinsam mit unserer Klasse, der BOSII – miterleben, wie Theater Menschen, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannten, auf magische Weise verbinden kann.

Neben Erzieherklassen aus Linz, die sich im Rahmen von LM14 mit künstlerischen Ausdrucksformen im Unterricht auseinandersetzen und in diesem Schuljahr ein Musical vorbereiteten, wurde die Pädagogikklasse der BOS II gefragt, ob sie an diesem besonderen Tag mithelfen beziehungsweis dabei sein möchten.

Als Klasse überlegten wir uns, was wir zum Theatertag beisteuern können. Im Rahmen der Vorbereitung auf den Theatertag waren zwei Mal Schülerinnen der Heilerziehungspflege bei uns im Unterricht, sodass wir bildungsgangübergreifend den „Tag des Theaters“ vorbereiteten. Gemeinsam entschieden wir uns dafür, ebenfalls das Publikum miteinzubeziehen. Wir erarbeiteten eine Wandzeitung. Hier standen wir den Gästen in den Pausen als Ansprechpartner zum Austausch zur Verfügung. Für uns standen folgende Gesprächsanlässe im Fokus: „Was bedeutet Theater für mich?“, „Behinderung bedeutet für mich …“. Die Anwesenden konnten ihre Antworten auf das Plakat oder auf Metaplankarten, die in einer vorbereiteten Box gesammelt wurden, schreiben. Als weiteren interaktiven Teil haben wir ein weiteres Plakat mit einem Baum in der Mitte und der Überschrift „#Wir waren dabei“ im Sinne eines Gästebuches gestaltet. Hier hatte jeder Gast die Möglichkeit, seinen Fingerabdruck auf dem Baum zu hinterlassen.

Das Improvisationstheater „Rock das Impro“ war aufgebaut wie „Schlag den Raab“. Es gab 7 Impro-Theaterspiele. Zwischen den Impro-Theaterspielen wurden Lieder gespielt und gesungen, Gedichte vorgetragen und sogar Zaubertricks vorgeführt. Am Impro-Theater waren insgesamt vier Gruppen beteiligt. Hierbei traten immer zwei Gruppen gegeneinander an. Das Publikum entschied sich anhand der Lautstärke des Applauses für eine Gruppe, die dann Punkte bekamen. Die Moderatoren luden uns mit ihrer Inszenierung in die 50-Jahre ein, deshalb hieß die erste Gruppe „Rock´n Rollers“, die zweite Gruppe „Rolling Stones“, die dritte Gruppe „Blues Brothers“ und die vierte Gruppe „Headbangers“. Die Gruppen setzen sich jeweils aus Menschen mit Beeinträchtigung sowie Schülern der Alice-Salomon-Schule zusammen. Beteiligt waren neben den Heilerziehungspflegern die Erzieher sowie die BOS II. Gemeinsam wurden die Gruppen kreativ und improvisierten. Insgesamt waren folgende Einrichtungen vertreten: Gustav-Heinemann-Schule, Christiane-Herzog-Schule, Alice-Salomon-Schule Neuwied/Linz und u.a. die Einrichtungen der Behindertenhilfe Hachenburg, Andernach, Kettig, Mayen und Bad Honnef.

Das Impro-Theater ist eine Möglichkeit, seinen Gefühlen, Wünschen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich auszudrücken und diese Form des Theaters bietet einen kreativen Raum dafür. Jedoch wird nicht nur die Kreativität gefördert, sondern auch das Selbstbewusstsein. Seine eigene Identität zu finden, ist ein langjähriger Prozess, die Bühne kann in dieser Hinsicht eine enorme Stütze sein. Der Fokus des Tages lag darin, seine Kreativität auszuleben und verschiedene Rollen zu erproben.

Der Mut, über seinen eigenen Schatten zu springen, stand zudem im Vordergrund bei den Impro- Theaterspielen und jeder Auftritt wurde mit Applaus belohnt. Zusammen hatten wir viel Spaß, sowohl die Darsteller auf der Bühne als auch die Zuschauer. Die verschiedenen Künstler konnten sich auf das Publikum verlassen, denn es half ihnen, die Aufregung zu überwinden. Jeder hat auf der Bühne sein Bestes gegeben. Die Beeinträchtigungen der Menschen spielte an diesem Tag keine Rolle. Es ging darum, in kürzester Zeit die Aufgabe als Team zu lösen. Man konnte das Gemeinschaftsgefühl erleben und seine Kreativität präsentieren. Darüber hinaus wurden bei den Spielenden die Berührungsängste abgebaut. Sie konnten die liebvollen, lustigen und spontanen Persönlichkeiten kennenlernen. Jeder, der sich traute auf die Bühne zu gehen, bekam eine Medaille. Das Finale ereignete sich zwischen den „Blues Brothers“ und den „Headbangers“. Beide inszenierten das Impro-Theaterspiel „Das fleißige Faultier“. Am Ende kürte man die „Blues Brothers“ als Gewinner.

Doch was man wirklich mit nach Hause nehmen konnte, sind die Erfahrungen, die man gemeinsam als Gruppe erleben durfte.

Um dem Tag ein besonderes Ende zu verleihen, sprach der Schauspieler, Regisseur und Autor Dr. Peter Radtke, der extra aus München angereist war, über das Thema „Behinderung und Theater“. Sein spannender und teils biografisch motivierter Vortrag machte deutlich, dass gerade das Theaterspielen beeinträchtigten Menschen die Möglichkeit bietet, ihre Stärken und kreative Potentiale zu entfalten und auszuleben, was für viele beeinträchtigte Menschen in unserer gedanklich sowie baulich immer noch nicht barrierefreien Gesellschaft leider oft nicht der Fall ist. Zu diesem Vortrag kamen noch weitere Klassen der Höheren Berufsfachschule für Sozialassistenz der Alice-Salomon-Schule. Peter Radtke appellierte an die Schülerinnen und Schüler, Menschen mit Beeinträchtigungen, die das kulturelle Leben bereichern, verstärkt mit in die Gesellschaft miteinzubeziehen und beendete seinen Vortrag mit folgender Aussage, welche die Schüler und Schülerinnen hinsichtlich ihres beruflichen Werdegang zum Nachdenken anregen sollte „Überall, wo künstlerisches Wirken ist, ist Therapie, aber nicht überall, wo Therapie ist, ist künstlerisches Wirken.“

An der Alice-Salomon-Schule nehmen künstlerische Ausdruckformen und vor allem das Theater einen besonderen Stellenwert ein. Sie sind neugierig geworden? - Dann überzeugen Sie sich selbst und kommen am 01.02.2020 zwischen 10.00 Uhr und 14.00 Uhr zum Tag der offenen Tür der Alice-Salomon-Schule nach Linz. Denn auch im kommenden Jahr findet der Tag der offenen Tür der Alice-Salomon-Schule wieder unter dem Motto „Alice-Salomon-Schule, die Kulturschule“ statt.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

 

(Dr. Thomas Schweikert, Slava Elyas und Estelle Bergen, Anne Gasper)