Eine verdiente Kollegin verabschiedet sich in den Ruhestand:

Inge Neitzert – nach 38 Jahren an unserer Schule beginnst du jung geblieben und dynamisch eine neue Lebensphase.

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Am Mittwoch, den 27.01.2021 verabschieden Schulleiterin Doris Schulte-Schwering und Personalratsvorsitzender Hilmar Berenz Frau Inge Neitzert in einem kleinen, aber feierlichen Kreis in ihre neue Lebensphase.

Die ganze Schulgemeinschaft lässt ihr große Anerkennung zukommen.

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Vergiss uns nicht!

Teile aus der Verabschiedungsrde möchte ich zitieren:

Liebe Inge,

jetzt bist du so lange an unserer Schule, und verdient hättest du einen bombastischen Abschied – mindestens genauso bombastisch, wie Peter Simon. Und jetzt wird es ein Corona-Abschied, wie traurig. Aber du sagtest, dass es dir jetzt leicht fällt zu gehen, denn die Zeit dafür ist gekommen.

Dein Referendariat hast du 1982 abgeschlossen, zusammen mit Peter Simon. Eine jahrelange enge Zusammenarbeit im BVJ lag vor euch. Am 01.02.1982 wurdest du vereidigt. Deine zukünftige „Dienstliche Verwendung“ ist die BBS Linz, wie es in der Personalakte so schön heißt. Deine Personalakte ist übrigens ein echtes Stück Geschichte, so manche Seite ist schon angeknabbert, es wurde noch mit der Schreibmaschine geschrieben, und die ADD hieß noch Bezirksregierung.

Sehr hilfreich für deine Arbeit an unserer Schule waren deine Erfahrungen aus dem Kinderheim Waldesruh in Rengsdorf, wo du von 1975 – 1982 als Wirtschaftsleiterin gearbeitet hast.

Von Anfang an hatte die Schule einen ganz hohen Stellenwert für dich, und die Arbeit war geprägt von vielen positiven Erfahrungen. Neben der Schule hast du mit den damaligen Kolleg*innen viel gemeinsam unternommen: ihr feiertet zusammen Karneval (für dich als Mainzer Mädchen sehr wichtig), ganz oft wurde zusammen gekocht in der Schule und ihr unternahmt gemeinsame Segelturns auf Plattbodenschiffen auf dem Ijsselmeer. Ein bisschen wehmütig bist du, dass das heute nicht mehr so ist. Du beobachtest verstärkt Einzelkämpfertum und Individualismus, vereinzelt auch eine Ellbogenmentalität ohne Rücksicht auf Verluste.

Liebe Inge, du kommst aus einem Winzerbetrieb, da hast du die Sozialkompetenz sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen, gemeinsam zusammenhalten und gemeinschaftlich Probleme zu lösen musstest du nicht erlernen, sondern war für dich von Kindheit an selbstverständlich. Die Metapher des Weinbergs brachtest du in die Schule ein: Eine Rebe über 1 Jahr lang begleiten und pflegen – da sind viele Parallelen zur Tätigkeit einer Lehrerin denkbar. Die Natur ist dir immer total wichtig gewesen, und auch heute noch bist du stolze Besitzerin eines Weinbergs und hast sogar einen Naturlehrpfad angelegt

Die Menschen an unserer Schule sind dir immer überaus wichtig gewesen. Mit Doris Vockel zusammen begann eine traumhafte Zusammenarbeit als Klassenleiterin in der BF 1. Gemeinsam kümmertet ihr euch um die Schüler*innen, aber auch um so manch schwierige Kolleg*in. Du hast dich nie in den Vordergrund gespielt, aber ganz viel aufgefangen im Hintergrund, ich würde sagen, bis auf den heutigen Tag. Du gehörst zu den Kolleginnen, wo man gar nicht weiß, wie es ohne sie weiter gehen soll.

Man könnte sagen: Engagement ist dein Leben. Du hast dich privat zusätzlich als Schöffin engagiert, warst im Prüfungsausschuss Hauswirtschaft und beteiligt an der Kriegsgräberfürsorge. Außerdem hast du 15 Jahre lang deine Eltern und Schwiegereltern gepflegt.

Zusammen mit deinen Kolleg*innen hast du große Veranstaltungen an unserer Schule ausgerichtet: Man denke nur an das „Kolloquium Humanum“ und die riesigen Verabschiedungen, die es damals gab. Stolz wart ihr auf die tollen Ergebnisse, die in der Küche gezaubert wurden.

Gerne denke ich auch zurück an das Mathematische Buffet, das du zusammen mit Kathrin zur Eröffnung der Mathematik-Ausstellung gezaubert hast und mit Mathematischem Material aus alter Zeit dekoriertest. Das war total gelungen.

In all den Jahren hast du die hauswirtschaftlichen Räume in Neuwied betreut. Dazu gehörten die Küche, der Essraum, der HT-Raum, der Vorrats- und Geräteraum, die Wäschepflege, der Textilraum und die Vorratsschränke Werken.

Bei den Schülern erlebtest du immer heftigere Schicksale, unendlich viele Gespräche und Telefonate wurden geführt, aber dein positives Menschenbild hast du nie verloren. Bis zum heutigen Tag hast du eine hohe Berufszufriedenheit, was nicht jeder behaupten kann.

Deinen Fachpraxisunterricht hast du immer als eine sehr sinnvolle Aufgabe angesehen, und wenn man zu dir in die Küche kam, erlebte man eine äußerst positive Lernatmosphäre auch mit den schwierigsten Schülern. Diese erlebten bei dir im Unterricht eine Wohlfühlzeit, wie sie das von zuhause her oftmals nicht kannten.

Viele Schulleiter hast du erlebt, weniger Schulleiterinnen:

Herrn Liesenfeld, Frau Wagner, Herrn Lorenz, Herrn Lischewski und Frau Schulte-Schwering. Außerdem die kommissarischen Schulleiter Herrn Heidler, Herrn Kullmann, Herrn Künzel.

In einer Dienstlichen Beurteilung war zu lesen: „In all den Jahren war sie stets lautlos einsatzbereit.“ Und: „Sanft aber dennoch bestimmt gliedert sie sich in die Schulgemeinschaft ein.“ Das trifft es meiner Ansicht nach nur zum Teil. Du gehörst zwar zu den leisen Menschen, aber das, was du zu sagen hast, ist unwahrscheinlich wichtig. Ich habe dich immer kooperativ erlebt, man konnte dich fragen, und du hast immer versucht, es zu ermöglichen, und vor allem das Lautlose war, dass du ganz viel aufgefangen hast, wovon deine Vorgesetzten überhaupt nichts mitbekommen haben.

Am 20.12.19 stelltest du den Antrag auf Versetzung in den Ruhestand.

Am 31.01.21 erfolgt nun deine Versetzung in den Ruhestand.

Ein syrischer Schüler hat mal zu dir im Unterricht gesagt, „Arabisch, Frau Neitzert, das lernen Sie nie.“ Das wär ja gelacht, das wirst du ihm aber zeigen, und jetzt in deinem Ruhestand wirst du auch noch Arabisch lernen, nicht wahr?

Liebe Inge, im Namen des gesamten Schulleitungsteams wünsche ich dir das Beste im Ruhestand, viel Gesundheit, viel Zeit mit deiner Familie und dem Enkelkind Jona, viel Zeit im Weinberg, Zeit zum fröhlich sein und Feiern (nach Corona), Zeit zum Reisen und zum Arabisch lernen und Zeit für all das, was du gerne immer schon persönlich machen wolltest. Wir hoffen, dass wir dich zu ganz vielen Gelegenheiten in der Schule wieder sehen werden.