Artikel aus dem Feuilleton der F.A.Z.Z. vom 30.02.19 (Vorbericht)

Titel: Es wurde schon so manche Literatur auf die Bühne gebracht – doch so etwas noch nicht!

 Der kleine Prinz

 

Untertitel: Der kleine Prinz in Neuwied neu interpretiert – von Nicolaus v. Kues

Neuwied.

Antoine de Saint-Exupery würde sich im Grabe drehen, wenn er denn eins hätte, denn der französische Pilot und Schriftsteller ist 1944 auf Nimmerwiedersehen und auf bis heute ungeklärte Weise im Mittelmeer mit seinem Flugzeug verschwunden. Nur sein Silberarmband wurde – wenn auch erst 1998 - vor Marseille geborgen.

Trotz allem Unglücks kann sich der Erfolgsautor glücklich schätzen, Vater der am 14. und 15. März in Neuwied stattfindenden Aufführungen des Kleinen Prinzen zu sein, denn das Ensemble der Theater-AG der Kulturschule Alice-Salomon schafft es auf kongeniale Weise, den bisher tausendfach aufgeführten Kleinen Prinzen neu zu interpretieren. In einer ca. 45 minütigen hochprofessionellen Bühnenfassung werden die zentralen Erlebnisse des Kleinen Prinzen nicht nur auf beindruckende Weise dargestellt, sondern es werden auch Bezüge zur sogenannten Postmoderne angestellt. So wird zum Beispiel der geneigte Zuschauer mit der Frage konfrontiert werden, was der Kleine Prinz mit Facebook, Instagram oder Komasaufen zu tun hat. Das bisher schon mehrfach in Cannes ausgezeichnete Ensemble der Theater-AG schafft es zu dem auf narrative Weise, dem Zuschauer mehr Fragen als Antworten mit auf den Nachhauseweg zugeben und seine Stellung im Kosmos neu zu überdenken. Mehr – aber auch nicht weniger - will gutes Theater erreichen. Das Neuwieder Ensemble setzt sich zusammen aus:

Alina Hufnagel (BF1), die auf äußerst intelligente und einfühlsame Weise den kleinen Prinzen spielt.

Selina Lamby (BF 1), die ganz unerschrocken und mit äußerst treffsicheren Pointen den Säufer, den Eitlen und den Fuchs spielt. Merke: Man sieht nur mit dem Herzen gut!

Beatrice Hüggelmeyer (BF 1), die dem Geschäftsmann und dem Laternenanzünder Leben einhaucht und dabei sicherlich zu einem Publikumsliebling mutiert.

Dominik Schweizer (HEP 18), der mehrfach ausgezeichnete Kleinkunstpreisträger spielt den Piloten und Erzähler so täuschend echt, dass schon einige Airlines ihn als Maskottchen haben wollen.

Und nicht zuletzt die hochkarätige Angelina Seppi (HEP 16), die dem ganzen Bühnengeschehen als gescheiterte Persona non grata einen postmodernen Touch gibt.

Regie führen bei den sicherlich in die Geschichte eingehenden Inszenierungen die bereits am Wiener Burgtheater erfolgreichen Regisseure und Schauspieler Vockel ( Oscarpreisträgerin für die Hauptrolle in: „Schweigen der Lämmer“ und Schweikert (Oscarpreisträger für die Hauptrolle in „Ziemlich beste Freunde“). Gut, dass diese beiden Urgesteine des epischen Theaters trotz ihrer hohen Gagen für diese Produktion gewonnen werden konnten.

Was bleibt also am Ende noch zu sagen: Wer Zeuge eines kulturell welterschütternden und perturbierenden Ereignisses werden möchte, der möge am 14. und 15. März selbstorganisiert mit Mann und Maus in die Heilige Halle der ASS Linz/Neuwied kommen, denn hier wird Theatergeschichte neu geschrieben werden. Carpe diem!

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... und nach der Vorstellung veröffentlichte Nicolaus v. Kues folgenden Artikel an gleicher Stelle in der F.A.Z.Z.

 

Titel: Sag ich doch!

Untertitel: Der Kleine Prinz erfolgreich in Neuwied – von Nicolaus v. Kues

Neuwied. Am 14. und 15. März fanden dann also die Aufführungen des Kleinen Prinzen in der Neuwieder Kulturschmiede ASS statt (siehe mein Vorbericht vom 30.02.19). Wie prophezeit, waren die insgesamt drei Aufführungen des Ensembles nicht nur auf geniale Weise ganz nah am Text von Antoine de Saint-Exupéry, sondern auch der Übertrag des Stoffs auf die postmodernen Problemen des Individuums (Alkoholsucht, Pflichtgehorsam, Social Media und pervertierter Reichtum) ist der Truppe rund um Vockel und Schweikert in ihrer Interpretation glänzend gelungen. Chapeau! Die auch aus anderen Fernsehproduktionen des Senders Arte bekannten Schauspieler Hüggelmeyer, Hufnagel, Schweitzer, Lamby und Seppi zeigten sich – wie nicht anders zu erwarten - in Hochform. Mit großer Leidenschaft und einer Menge Pathos hauchten sie ihren Rollen Leben ein, so dass so manches Auge in den ausverkauften Aufführungen vor Begeisterung und Mitgefühl tränte. Auf die Frage hin, warum sich das Ensemble für postmoderne Interpretation des Kleinen Prinzen entschied, sagte das Ensemble:

„Der „Kleine Prinz“, von Antoine de Saint-Exupéry geschrieben, ist in den letzten Jahrzehnten landauf, landab bestimmt schon gefühlte 100.000 Male als Theaterstück aufgeführt worden und so scheint sicherlich die Frage berechtigt zu sein, warum wir uns als Theater-AG ebenfalls für dieses Stück entschieden haben. Drei Gründe möchte ich nennen:

 

  1. Die Geschichte, die Saint-Exupery von einem Piloten erzählt, der nach einem Absturz in der Wüste auf ein wundersames kleines Wesen trifft (nämlich den Kleinen Prinzen), ist einfach wunderschön und bewegend.

 

  1. Die wunderschöne und bewegende Geschichte des Kleinen Prinzen besitzt einen großen philosophischen bzw. ethischen Gehalt. Das heißt, man kann auch einiges für sich und sein Leben mitnehmen, wenn man bereit ist, die Ängste, Sorgen und Ratschläge des Kleinen Prinzen auf sein eigenes Leben zu übertragen und somit seine eigenen Denkweisen und Handlungen zu hinterfragen.

 

  1. Und das ist eigentlich der Hauptgrund: Wir wollten den Kleinen Prinzen neu interpretieren. Wir haben uns also die Frage gestellt, was zentrale Probleme des Kleinen Prinzen, der ja 1943 veröffentlicht wurde, wohl heute sein könnten. Und das macht unsere Aufführung – wie wir finden - so besonders und einzigartig!“

 

Theatergeschichte ist in Neuwied also neu geschrieben worden und wir können gespannt sein, welches Kulturgut die Truppe trotz knapper Haushaltsmittel in der nächsten Spielzeit auf die Bühne bringen möchte. Erste Whistleblower sehen hier Brecht und Tucholsky ganz vorne. Ein Dank auch an dieser Stelle und zum Schluss dem Publikum, dass zahlreich, wohlwollend und begeistert die Aufführungen wertschätzte.

Ebenfalls ein Danke an:

Alina Hufnagel (Prinz)

Dominik Schweitzer (Pilot und Erzähler)

Selina Lamby (Laternenanzünder, der Eitle, Fuchs)

Beatrice Hüggelmeyer (Säufer und Geschäftsmann, Schlange)

Angelina Seppi (Säufer, Geschäftsmann, Eitle und der Pflichtgehorsame heute)

Bildungsprozessinitiatoren: Schweikert, Vockel und Höffel

Technik-Team 1:

Tobias Zimmermann, Tobias Rudersdorff, Lukas Michels, Lisa die Coole, Kristina Jäger, Timo Paetsch, Annka (HEP 16) und noch andere lebende HEPs (wir lieben euch alle!)

Technik-Team 2:

Volker Esper und Thomas Hennig von der DRS (Peer-Education!)

Requisiten: HBFS17b und Frau A. Simon

Hausmeister Schröder und Dyck

... und alle, die eventuell vergessen wurden.

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